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Auch anhand des Mondes lässt sich laut Meyer das Wetter vorhersagen. „Wenn der Mond wie eine Schale aussieht und sich fast auf den Rücken legt, dann
ist das ein Zeichen dafür, dass es Regen geben wird. Die Schale fängt dann das Wasser auf“, sagt die Wahrenholzerin. Beugt sich der Mond dagegen nach vorne mit seiner oberen Spitze, dann „stemmt er sich gegen den Wind oder den
Sturm, der kommen wird“, so Meyer. „Früher gab es keinen Ultraschall. Wenn da ein Kind bei Vollmond geboren wurde, gingen die Leute davon aus, dass das folgende Geschwisterkind das gleiche Geschlecht hatte“, weiß sie, dass der Mond
mehr kann als das künftige Wetter anzuzeigen. Ihr Wissen holt sie aus ihren täglichen Beobachtungen, die sie seit ihrer Kindheit macht. „Ich gehe mehrmals am Tag vor die Tür und sehe mir die Sonne an, nachts auch den Mond, und
vergleiche dann das kommende Wetter mit früheren Beobachtungen.“ Den Wind beobachtet sie ebenfalls täglich. Wichtig ist, wo er morgens und abends herkommt. „Geheizt wird bei mir mit Holz. Das ist natürlich, ein Baum setzt beim
Verbrennen nur soviel CO2 frei, wie er im Laufe seines Lebens gebunden hat, und Bäume wachsen nach. Und außerdem kann ich durch den Rauch, der aus dem Schornstein kommt, die Richtung bestimmen, aus welcher der Wind kommt, und auch
seine Stärke.“ Verschiedene Regeln hat Meyer aufgestellt, wenn es um die Wettervorhersage nach dem Wind geht. „Je nachdem, aus welcher Richtung der Wind zu Ostern kommt, wird das Wetter in den folgenden vier Wochen“, sagt sie
beispielsweise. Bläst der Wind 48 Stunden lang regelmäßig von Osten, dann gibt es die folgenden drei Wochen gutes Wetter, besagt eine andere ihrer Regeln. Gutes Wetter bedeutet in diesem Fall im Sommer Sonne und im Winter klare
Luft mit Frost, so Meyer. „Im April war das so, daher hatten wir da fast vier Wochen lang Sommer“, erinnert sie an die heißen Tage im Frühjahr 2007. Eine andere Regel besagt, dass Weihnachten ins Wasser fällt, wenn es am 2.
Dezember regnet. Wichtige Termine sind für Hilde Meyer die so genannten Quatember, von denen es vier im Jahr gibt. Quatember sind die drei Fasttage Mittwoch, Freitag und Samstag, die viermal im Jahr stattfinden, und zwar nach
Pfingsten, Kreuzerhöhung (14. September), Sankt-Lucia-Tag (13. Dezember) und dem ersten Sonntag in der Fastenzeit. An den Quatembern soll nach alter Überlieferung das folgende Wetter abzulesen sein. „Der Februarquatember hat das
Wetter für August und zum Teil für den Winter bestimmt“, sagt die 78-Jährige. Der Wind sei bis Februar vorwiegend aus Südosten gekommen. „Das hat uns den ganzen Regen im August 2007 gebracht. Außerdem gab es im Winter viel
Niederschlag“, sagt Meyer. Meyer richtet sich außerdem nach den so genannten Nodel-Tagen ab dem 2. Weihnachtsfeiertag. „Der Sommer entscheidet sich zwischen Weihnachten und Neujahr“, sagt sie. Die Tage vom 26. bis zum 31.
Dezember sagen das Wetter der Monate Januar bis Juni voraus, die Tage vom 1. bis zum 6. Januar das Wetter Monate Juli bis Dezember. Wenn es Weihnachten oder Neujahr ein Gewitter gibt, dann wird es laut Meyer das gesamte folgende
Jahr Gewitter geben, wenn auch nicht unbedingt so stark wie an den Festtagen. Außerdem bedeuten diese Gewitter, dass es zum Herbst hagelt. Dass die Wahrenholzerin mit ihren Vorhersagen richtig liegt, ist im Ort längst kein
Geheimnis mehr. „Wenn ich unterwegs bin, dann fragen mich die Leute, wie das Wetter wird. Und die Leute achten auf das, was ich sage“, freut sich Meyer. Gerne erzählt sie in diesem Zusammenhang von Weihnachten 1968. „Damals haben
wir gerade unser Badezimmer umgebaut. Auf dem Wagen hatten wir Beton, und der sollte über Nacht draußen bleiben, weil es warm genug schien.“ Dann aber machte Meyer ihre abendliche Runde und mahnte Mann und Sohn, den Beton vom
Wagen zu holen. „Ich habe auf den Wind geachtet und gesagt, es wird Winter. Dann haben wir den Beton reingeholt, und es wurden Minus zehn Grad. Da wäre uns alles kaputt gefroren. Es gab dann einen langen Winter“, erinnert sich die
Wahrenholzerin. Aufgeschrieben hat sie inzwischen viele ihrer Beobachtungen in einem allgemeinen Bericht. Einzelheiten oder ihre „Bauernweisheiten“ dagegen will sie nicht aufschreiben. „Das musste ich alles selber lernen. Die
Leute heutzutage haben kein Gefühl mehr für das Wetter. Wenn sie alles nur ablesen, bringt das nichts. Sie sollen sich auch intensiver damit befassen.“ |