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Liebe haucht der Tastatur wieder sauberen Klang ein

In Repke werden alte Flügel in aufwändiger Handarbeit restauriert

Text und Fotos: Balthasar, am 7.4.2007 in der Aller-Zeitung Gifhorn erschienen.

Frank Kostial in seiner Werkstatt in Repke.

Immer wieder klingen einzelne Klaviertöne aus der Werkstatt in Repke, dann wieder mehrere Töne in scheinbar wahlloser Reihenfolge. Klavierbauer Frank Kostial stimmt eines der von ihm restaurierten Klaviere. Kostial ist Klavierbauer in dritter Familiengeneration. Die Geschichte der Kostials ist aus dem Stoff, aus dem Familiensagas in Büchern und Filmen gemacht werden.

Kostials Großvater Wenzel gründete in den 1920er Jahren in Leipzig das Stammhaus. Nach dem Krieg wanderte der Klavierbaumeister nach Kolumbien aus und baute sich dort eine neue Existenz auf. Großvater Wenzel und Vater Oskar begleiteten sogar Arthur Rubinstein auf dessen Konzertreise 1958 durch Südamerika als Klavierstimmer, erzählt Frank Kostial nicht ohne Stolz auf die eigene Familientradition. 1969 übernahm Frank Kostials Vater Oskar das inzwischen etablierte Unternehmen, das nicht nur in Südamerika einen guten Ruf hatte.

Frank Kostial stimmt ein Klavier.

Dünne Filzscheiben werden unter die Tasten gelegt, um den Anschlag einzustellen.

In liebevoller Handarbeit restauriert Frank Kostial alte Klaviere.

Frank Kostial arbeitet am Klangkörper eines Klaviers.

Vor jeder Restauration werden Baupläne der Instrumente studiert.

Frank Kostial erklärt seiner Frau Monica einen Arbeitsschritt.

Monica Kostial fertigt Einlege- arbeiten an. Die Technik hat sie von ihrem Mann gelernt.

Monica Kostial fertigt bevorzugt Intarsien mit kolumbianischen Motiven an.

Intarsienarbeiten erfordern Feingefühl.

Damals war Frank Kostial zwölf Jahre alt und schon vom Virus infiziert. Seit seiner frühen Kindheit war ihm die Werkstatt des Großvaters und später des Vaters zu einem zweiten Zuhause geworden. „Ich habe früh meine Liebe zu alten Klavieren und guter Handarbeit entdeckt“, erzählt der 50-Jährige, der das Handwerk des Klavierbaus schließlich auch regulär bei seinem Großvater erlernte.

Dabei hat er allerdings nie selbst gelernt, virtuos auf dem Klavier zu spielen. „Ein paar einfache Melodien kann ich schon. Aber mehr nicht. Ein guter Klavierbauer darf kein guter Klavierspieler sein“, erklärt er. Jeder gute Spieler habe einen eigenen Anschlag, den er sich auf seinem Klavier einstellen lasse. Einige Spieler haben einen harten Anschlag, andere einen weichen. Entsprechend würde die Tastatur eingestellt, so Kostial. Das geschieht durch dünne Filzscheiben von unterschiedlicher Stärke, die unter die einzelnen Tasten gelegt werden. Am Ende muss die Tastatur überall genau gleich hoch sein. Würde er selbst gut spielen, so käme er in Versuchung, Klaviere mit seinem eigenen Anschlag zu stimmen. Das wäre nicht gut, sagt er. Außerdem fehle ihm einfach die Zeit, um ein guter Klavierspieler zu werden.

Überhaupt nimmt Kostial seine Arbeit sehr ernst. „Ich mache das nicht wegen des Geldes. Es ist besser, zu sehen, wie ein altes Klavier durch die eigenen Hände jeden Tag schöner wird, als reich zu sein.“ Den Beruf des Klavierbauers müsse man lieben, um ihn auszuüben. Kostial versteht nicht, dass heute viele aus seiner Branche nicht mehr handwerklich tätig sind, sondern nur noch verkaufen. „Jedes alte Instrument hat seinen eigenen Klang. Diesen wieder zu neuem Leben zu erwecken, das ist das Geheimnis und die Faszination meines Berufes. Die neuen Instrumente, die oft aus asiatischer Massenproduktion stammen, klingen alle gleich.“

Eine Restauration kann schon mal ihre Zeit dauern. Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie lange ich brauche, um ein Klavier zu restaurieren. Das hängt davon ab, was gemacht werden muss.“ Wenn er einen Auftrag habe, dann arbeite er schnell an dem Stück. Dann kann ein altes Klavier nach einem Monat bereits in neuem Glanz erstrahlen. Hat er keinen Auftrag, dann arbeitet Frank Kostial auf eigene Rechnung alte Klaviere für den Verkauf auf. An einer Wurlitzer aus Nordamerika von 1900 werkelt er bereits seit acht Jahren. „Diese Stücke restauriere ich so, wie Geld dafür da ist.“ Und davon brauche er einiges, denn er verwendet nur Originalteile oder qualitativ hochwertige Nachbauten aus deutscher Produktion. Egal, ob er an einem Auftrag oder einem Stück, das er später auf eigene Rechnung verkaufen will, arbeitet. Wie an alle anderen Teile und Arbeitsschritte legt er auch viel Wert auf die Endbehandlung. Kostial verwendet für das Holz keinen Lack, sondern nur Schellackpolitur. Die Restauration lohne sich bei 80 Prozent der alten deutschen Klaviere, betont er. „Die Investition von mehreren tausend Euro wird durch die Wertsteigerung wieder aufgefangen“, rät Kostial, immer über eine Restaurierung nachzudenken, bevor ein nicht mehr gut klingendes oder nicht mehr so ansehnliches Stück entsorgt wird.

1977 trieb es den in Kolumbien geborenen Frank Kostial in die Heimat der Familie zurück. In Deutschland arbeitete er bei Schimmel und Grotrian Steinweg in Braunschweig als Klavierbauer und sammelte Erfahrung in der Mechanikmontage, um sich auf die eigene Selbstständigkeit vorzubereiten. Die kam 1982. Kostial übernahm den Klavierbaubetrieb in Kolumbien von seinem Vater Oskar. Zehn Jahre später gab er den Betrieb in Südamerika auf. „Ich hatte persönliche Gründe. Meine Ehe war gescheitert. Außerdem war Kolumbien kein schönes Land mehr, um dort zu leben. Die Probleme mit der Regierung, der Wirtschaft und den Drogenbaronen waren sehr groß.“ Kostial kam zurück nach Deutschland, absolvierte eine Tischlerausbildung, gründete 1994 einen neuen Betrieb in Langwedel auf dem Hof einer befreundeten Pianistin. Dort blieb er bis 2003.

Im Rahmen der Expo in Hannover lernte Frank Kostial im Jahr 2000 Monica Rubio Gonzalez kennen, seine jetzige Frau. Mit dem Umzug nach Repke schlug die Familie ein weiteres Kapitel in ihrer Geschichte auf. Die vierjährige gemeinsame Tochter Shakira-Michelle ist in der Werkstatt ihrer Eltern ebenso oft zu finden wie Frank Kostial als kleiner Junge in der Werkstatt seines Großvaters. „Unser Wunsch wäre, dass Shakira- Michelle die Familientradition später fortführt“, sagen die Eltern. Doch nicht nur die Tochter ist fasziniert vom Klavierbau, auch Kostials Frau begeistert sich für dessen Arbeit. Die ebenfalls in Kolumbien geborene Diplom-Außenhandelskauffrau, die das Geschäft auch führt, sitzt selbst oft stundenlang in der Werkstatt und schafft hochwertige Intarsien. Die Einlegearbeiten sind aufwändig und erfordern viel Fingerspitzengefühl. Gelernt hat sie die Technik, wie wäre es anders möglich, von ihrem Mann.

„Ich mag kolumbianische Motive“, sagt sie. Zahlreiche kleine Kästchen, Bilder, Deckel von Schachteln, sogar Tische hat sie so verziert. Und natürlich auch die von ihrem Mann Frank restaurierten Klaviere. Zuerst wird das Motiv entworfen. Anschließend wird das Motiv mit Kohlepapier auf das Holz übertragen. Danach wird die Motivfläche ausgehöhlt. Jedes Teilstück wird einzeln ausgeschnitten und durch ein passendes Stück andersfarbigem Furnier ersetzt. Je nach Motiv und verwendeten Holzarten dauert das Schneiden des Bildes zwischen zwei Stunden und mehreren Wochen, steht auf der Internetseite der Firma unter www.kostialpiano.de. Nachdem die Vorderseite auf einheitliche Dicke geschliffen ist, werden eventuelle Lücken mit Holzkitt verschlossen. Danach erfolgt der Feinschliff, die Vorderseite wird mehrmals lackiert beziehungsweise geölt. „Die Stücke sind eigentlich nicht bezahlbar. Aber ich zeige meine Arbeiten gern.“ So wie 2004 in einer Ausstellung in Hankensbüttel.

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Die restaurierten Klaviere von Frank Kostial dagegen reisen oft weit. Neben Deutschland gibt es vor allem in Südamerika einen Markt. „Es gibt zum Beispiel in Kolumbien keine Klavierbauer. Andererseits haben die Menschen dort unten ein anderes Temperament als hier in Deutschland. Sie behalten ihre Klaviere, die oft Familienerbstücke sind, gerne und sind auch bereit, Geld für eine Restaurierung auszugeben“, so Frank Kostial.

Daher, weil die Lage in Kolumbien wieder gut ist und es mit der Wirtschaft aufwärts geht, aber auch, weil seine Familie dort verwurzelt ist, will der Klavierbauer erneut ein Geschäft in dem südamerikanischen Land aufbauen. „Einen Vertrieb hauptsächlich. Auftragsannahme und Verkauf in Kolumbien, Reparatur in Deutschland“, wünscht er sich für seine geschäftliche Zukunft. Und er freut sich bereits darauf, wieder nach Kolumbien zu kommen.

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