Nabein und seine Helfer sind an einem der Teiche angekommen. Das Wasser steht hier keinen halben Meter mehr hoch. Die Teiche sind ohnehin nur knapp einen Meter tief, damit die Sonne das Wasser
besser erwärmen kann und die Fische schneller wachsen. Etwa eine Woche dauert es, bis die Teiche leergelaufen sind, je nach Größe. Das langsame Absinken des Wasserspiegels schützt die Tiere vor unnötigem Stress. „Das Wasser fließt
direkt in das Schwarzwasser, und von dort lassen wir die Becken nach dem Abfischen auch wieder volllaufen“, so Nabein. Und abgefischt werden soll heute.Von Mitte September bis Ende November hat Nabein damit zu tun.
Zwei, manchmal drei Teiche, schafft er in der Woche. „Im Herbst sind die Fische nicht so empfindlich. Null bis fünf Grad ist die beste Lufttemperatur. Der kurzfristige Sauerstoffmangel, wenn die Tiere im Kescher von einem Wasser
zum nächsten getragen werden, ist dann nicht so konzentriert wie im warmen Sommer“, weiß der Fachmann.
Nabein steigt ins Wasser und öffnet die Schleuse ganz. Seine Helfer haben das Brettergestell mit dem Netz
inzwischen vor den Abfluss gelegt. Erst schnell, mit nur vereinzelten Fischen, schießt das Wasser durch die Öffnung. Allmählich aber wird das Wasser weniger, langsamer, Blätter und Schlamm, aber auch mehr Fische kommen mit.
„Aufpassen, da kommt ein Dicker“, ruft Nabein, an der Schleuse stehend. Die beiden Männer am Netz passen auf, schnell wird der Fisch mit dem Kescher aufgenommen und fünf Meter zu einem Behälter mit Wasser getragen.
Der
Behälter steht auf einem Anhänger, ein dritter Helfer steht neben ihm und nimmt den Kescher mitsamt den Fischen in Empfang und lässt sie zurück ins Wasser gleiten. Es muss schnell gehen, der Fisch soll möglichst kurz nur an der
Luft sein. Da spritzt es schon mal, die Wat-hosen schützen zwar die Beine, aber nicht die Arme, die Haare, das Gesicht. Der glitschige Karpfen gleitet aus der Hand und klatscht in das Becken, eine Wasserfontäne belohnt den Angler
feucht für die neu gewonnene Freiheit seiner Beute. Doch die Freiheit wird nur kurz währen.
Inzwischen ist der Teich fast leergelaufen, nur noch kleine Rinnsale durchziehen den größten Teil des Schlamms. Im Ablauf zur
Schleuse blubbert es, das Wasser scheint zu kochen. Rückenflossen durchschneiden die Wasseroberfläche, hin und wieder zappelt einer der Teichbewohner auf dem Trockenen, windet sich, bis er ohne Hilfe zurück ins Nass gelangt, oder
bis Nabein zur Stelle ist und hilft.
Damit möglichst wenig Fische im Schlamm zurückbleiben, treibt Nabein sie mit dem Kescher Richtung Schleuse, langsam, um Stress zu vermeiden. Es ist eigentlich kein Treiben, mehr ein
Bitten. Ruhig, gelassen arbeitet er sich zur Schleuse vor. „Vor allem Schleihen bleiben gern im Schlamm zurück wenn das Wasser abläuft, da muss man etwas nachhelfen“, erzählt der Züchter.
Hektischer geht es am anderen Ende der
Schleuse zu. Das Netz füllt sich mit großen und kleinen Fischen, die vollen Kescher werden im Zwei-Minuten-Takt zum Behälter getragen und ausgeleert. Trotz der gebotenen Schnelligkeit wird dabei offensichtlich keiner der Fische
verletzt. Und sogar zum Sortieren ist noch Zeit. Kleinfische, die wahrscheinlich beim Einlaufen aus dem Schwarzwasser mit in die Teiche kamen, überlebt haben und nicht zum Verzehr geeignet sind, werden gleich wieder ausgesetzt.
Schließlich ist der Teich leer. Die Männer gönnen sich eine kurze Pause, die vergangenen Minuten waren anstrengend, das Tragen der vollen Kescher kostete Kraft. Zufrieden ist Nabein mit der Arbeit, nicht mit dem
Fangergebnis. „Ich schätze, das waren 500 Kilogramm Fisch. Ich hatte mit mehr gerechnet. So ist das bei der Tierzucht“, sagt er. Nicht jeder eingesetzte Fisch kommt auch durch.
Beim Hecht sind es im Schnitt nur 0,5
Prozent der Tiere, die nach einem Jahr noch im Teich vorhanden sind. Daran ist nicht nur der Kormoran schuld, auch bei den eigenen Artgenossen steht Hecht ganz oben auf der Speisekarte. Bis zu 15 Prozent der Nachzucht kommt bei
anderen Arten ins Netz. „Zwischen 400 und 600 Kilogramm Ernte je Hektar Wasserfläche sind üblich.“ Ernte heißt der Ertrag, da die Fischzucht zur Landwirtschaft gehört.
Die Hauptrolle spielt in Teichgut der Karpfen. Die
ältesten von ihnen sind mehr als 20 Jahre alt, dienen als Laichkarpfen. Daneben finden sich in den Teichen Hechte, Zander, Schleihen, Forellen. Der Besatz läuft im April und Mai. Gefüttert werden die Tiere einmal in der Woche in
den Monaten von Juli bis August. Rund 100 Kilogramm Futter braucht Nabein je Hektar und Woche. Insgesamt werden im Sommerhalbjahr rund 30 Tonnen reines Getreide verfüttert, bestehend ausschließlich aus Soja, Gerste und Mais. Zum
Füttern der Tiere in den großen Teichen benutzt er das Boot, das so friedlich am Ufer liegt. „In der Wassermitte verteilt sich das Futter besser, es wird alles gefressen und vergammelt nicht am Ufer.“ So bleibt das Wasser sauberer,
die Qualität besser, die Fische gesünder. Verantwortungsvoller Umgang mit Lebewesen steckt dahinter, auch wenn Nabein das nicht betont, nicht nur reines Handeln mit einer Ware.
Die leeren Teiche, in den wenigen noch
vollen hält er im Winter je rund 2000 Kilogramm Fisch für die kommende Zucht, sollen sich in den kalten Monaten erholen. Nabein lässt den Schlamm durchfrieren, damit der Frost die Keime abtötet. Brandkalk verhindert weitere
Schlammbildung, reguliert den PH-Wert des Wassers, desinfiziert den Boden. „Manchmal kommt Mist rein, damit sich Plankton als Futter für die Fische bilden kann“, so Nabein. Ab Januar laufen die Becken wieder voll. Das dauert je
nach Größe bis zu drei Monaten. In Süddeutschland werden leere Fischteiche wegen des nährstoffreichen Bodens auch schon mal als Getreideanbauflächen genutzt. Nabein aber hat lieber Wasser drin, und natürlich Fische.