Der Wald 2
Balthasar
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Folge 5: Naturschutzgebiet Wald

Naturschutz nicht nur durch Ruhe

24.000 Hektar im Landkreis Gifhorn ausgewiesen – Bewirtschaftung zum Teil erforderlich

Naturschutz dient Tieren und Pflanzen, aber auch den Menschen. Im Landkreis Gifhorn gibt es rund 24.000 Hektar ausgewiesener Schutzgebiete verschiedener Kategorien. Ihre Aufgabe reicht vom Artenerhalt für Tiere und Pflanzen bis zur Erholung der Menschen.

Naturschutz bedeutet nicht zwingend, die Natur in ihrem derzeitigen Zustand zu belassen. Vielfach ist es notwendig, Flächen in den Zustand früherer Jahre zurück zu versetzen, um so die Artenvielfalt zu erhalten. Bei sensiblen Ökosystemen ist auch eine schonende Bewirtschaftung notwendig, um das Gleichgewicht zu erhalten. Auch die Hege von neu angepflanzten heimischen Gewächsen gehört zum Naturschutz.

Im FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) Drömling beispielsweise betreut das Forstamt Danndorf 650 Hektar Birken- und Erlenbruchwald. Durch die Wasserrückhaltungsmaßnahmen im Drömling haben die Niedermoorstandorte wieder natürlich hohe Wasserstände. Die Wälder stehen rund zwei Drittel des Jahres im Wasser. Sehr abwechslungsreiche Wälder mit hohem Totholzanteil entwickeln sich. Das heutige Landschaftsbild entstand erst durch Entwässerungs- und Kultivierungsmaßnahmen im 18. Jahrhundert. Davor war das Gebiet nahezu unzugänglich. Seit den 1960er Jahren wurde der Drömling allmählich zum Schutzgebiet.

Weitere Beispiele für Naturschutzmaßnahmen an Waldgebieten im Landkreis gibt es im Barnbruch entlang der Aller. Die Naturschutzbedeutung des Barnbruchs ist wegen der gestörten Wassersituation erheblich beeinträchtigt. Es sterben Laubbaumarten wie Eiche Erle, Esche, die Behörden arbeiten gemeinsam an einer Lösung.

Vom FFH Gebiet Großes Moor bei Gifhorn betreut das Forstamt Unterlüß den nordwestlichen Teil entlang des Sauerbaches. Auf einer rund 45 Hektar großen Fläche ist zurzeit eine größere Renaturierungsmaßnahme geplant. Großvögel in den Wäldern beispielsweise werden von den Fortamtsmitarbeitern geschützt, indem direkte Horst- und Brutbereiche nicht verändert und die Bewirtschaftung der angrenzenden Waldflächen zeitlich nach den Brutzeiten ausgerichtet werden.

Wussten Sie, dass der Wald ein Umweltschützer ersten Grades ist? Wald schluckt Schall, reguliert das Klima und filtert das Grundwasser. So haben Messungen mit Generatoren in der Schweiz ergeben, dass Lärm am Waldrand nicht mehr zu hören ist, wenn man sich etwa 250 Meter tief im Wald befindet. Auf freiem Ackerland dagegen ist dieser Lärm noch in zwei Kilometer Entfernung hörbar. Wald, je nach Beschaffenheit, dämpft also den Lärm bis zu zehn Mal stärker.

Netz für den Naturschutz

Natura-2000-Flächen

Gut ein Viertel der Naturschutzgebiete im Landkreis sind so genannte Natura-2000-Flächen. Diese umfassen insgesamt rund 15.000 Hektar im Landkreis.

Natura 2000 bezeichnet ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten in Europa. Natürliche und naturnahe Lebensräume und gefährdete wildlebende Tiere und Pflanzen sollen durch Natura 2000 geschützt und erhalten werden. Durch Natura 2000 werden besondere Vogelschutzgebiete sowie FFH-Gebiete (Flora, Fauna, Habitat) zu einem Netz geknüpft, um so großflächig den Erhalt und Schutz bestimmter Tier- und Pflanzenarten zu fördern. Dies ist notwendig, weil sich Tiere nicht an kleine Schutzgebiete als Lebensraum halten, sondern oft großflächige Bereiche benötigen, die teilweise auch unterschiedliche Strukturen aufweisen. Einige Fledermausarten zum Beispiel überwintern in Höhlen, brauchen aber Wälder als Jagdreviere.

Bisher wurden für Natura 2000 in ganz Niedersachsen Flächen von insgesamt rund 790.000 Hektar ausgewählt, das sind mehr als 15 Prozent der Landesfläche. Die im Kreis ausgewiesenen 15.000 Hektar machen etwa zehn Prozent der Landkreisfläche aus.

Viele Arten von der Roten Liste

Vielfalt in der Pflanzenwelt durch Naturschutz – Beispiel Drömling

Jedes Schutzgebiet im Landkreis Gifhorn ist auf seine eigene Weise faszinierend und Lebensraum für zahlreiche Tierarten (s. Text unten). Aber auch die Pflanzenwelt ist es wert, betrachtet zu werden. In den Waldflächen, die einen großen Teil der Schutzgebiete ausmachen, finden sich seltene und sehenswerte Pflanzen.

„Es gibt einen Grundsatz: In den Schutzgebieten dürfen keine Pflanzen oder deren Teile beschädigt oder entfernt werden“, erklärt Christoph Rothfuchs von der Funktionsstelle für Waldökologie und Waldnaturschutz der Niedersächsischen Forstämter Danndorf und Unterlüß.

Praktizierter Naturschutz: Christoph Rothfuchs (l.) an einem der Wasserläufe im Drömling.

Ein besonders gutes Beispiel für den Artenreichtum in Schutzgebieten ist der Drömling im Osten des Kreises an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. In diesem 320 Quadratkilometer großen Bereich, von dem ein kleiner Teil zum Landkreis gehört, finden sich Pillenfarn, die Flutende Teichsimse und die Gelbe Wiesenraute, die hier mit der Glänzenden Wiesenraute gemeinsam wächst, was sonst nicht der Fall ist. 450 Farn- und Blütenpflanzenarten wachsen im Drömling, von denen mehr als 70 auf der Roten Liste stehen.

Auch der Baumbestand ist ein besonderer. An den Gräben stehen zahlreiche Pappeln, vor allem im 650 Hektar großen Teilstück Giebelmoor stehen Erlen- und Birkenbruchwälder. Diese stehen zwei Drittel des Jahres unter Wasser.

Durch die Artenvielfalt in der Pflanzenwelt fühlen sich naturgemäß auch Tiere im Drömling wohl. Auf der Roten Liste stehen Kreuzkröte, Laubfrosch und Ringelnatter. Von 25 nachgewiesenen Fischarten stehen zehn auf der Roten Liste. Zahlreiche Libellenarten, Heuschrecken, Wasserkäfer sowie Tag- und Nachtfalter kommen vor.

Im Kreis Gifhorn gibt es sowohl internationale wie auch nationale Schutzgebiete. Die internationalen Natura-2000-Gebiete umfassen 15.000 Hektar. 42.000 Hektar groß sind die nationalen Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

Der Unterschied beider Kategorien besteht darin, dass Natura-2000-Flächen ein europaweit zusammen hängendes System zum Schutz von Tieren und Pflanzen bilden, während nationale Schutzgebiete einzelne Flächen sind.

Viele Gebiete sind doppelt ausgeweisen wie Drömling, Aller mit Barnbruch, Großes Moor, Külsenmoor/ Rössenbergheide, Lutter-Lachte-Ise-Aschau, Südheide, Maaßeler Lindenwald. Bornbruchsmoor, Bullenkuhle und Bösebruch sind nur nationale Naturschutzgebiete. In diesen Gebieten, die mit Schildern gekennzeichnet sind, sind das Verlassen der Wege sowie die Beschädigung oder das Entfernen von Pflanzen oder deren Teile verboten.

Wo Luchs und Adler leben

Schutzgebiete im Landkreis sind wieder Heimat seltener Tierarten

Wälder sind von jeher die Heimat zahlreicher Tierarten. Viele davon sind inzwischen durch Jagd oder weil Acker- und Siedlungsbau ihre Lebenräume zerstören aus unserer Region verschwunden. Die Schaffung von Schutzgebieten hat einige Arten zurück in den Landkreis geholt.

Eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete (BSG) ist das 8000 Hektar große Gebiet Südheide bei Sprakensehl, in dem laut Christoph Rothfuchs von der Funktionsstelle für Waldökologie und Waldnaturschutz der Niedersächsischen Forstämter Danndorf und Unterlüß Sperlingskauz, Schwarzstorch, Kranich sowie Fisch- und Seeadler vorkommen. Der Sperlingskauz lebt in großen zusammenhängenden Waldgebieten. Er benötigt Nadelwälder mit hohem Fichtenanteil, da er sich auch im Winter vor Feinden verstecken muss. Die Südheide beherbergt das einzige europäische Flachlandvor- kommen des Sperlingskauzes.

Im Drömling gibt es Kraniche und eine große Anzahl von Kleinspechten. Wegen der hohen Wasserstände sind in den Giebelmooren im Frühjahr Moorfrösche zu hören. Im Barnbruch leben Grauspecht und Rotmilan, im Großen Moor Kraniche.

Rothfuchs schätzt, dass im Bereich der Forstämter Danndorf und Unterlüß innerhalb des Landkreises rund 25 Kranichpaare brüten, acht Schwarzstorchpaare, etwa 20 Sperlingskäuze und mehr als 110 Mittelspechte.

Beim Luchs vermutet Rothfuchs, dass einzelne Tiere aus dem Harz bis in die Südheide gewandert sind. Zumindest seien Rehe gefunden worden, die eindeutig vom Luchs gerissen wurden. Der Biber ist aus Sachsen-Anhalt eingewandert. Vom Wolf halten sich mehrere Tiere in der Heide auf, die bis in den Gifhorner Nordkreis streifen. Die häufigsten Beobachtungen gibt es aus dem Gebiet Unterlüß.

Folge 6: Waldbrandkatastrophen im Landkreis Gifhorn

Der Wald brennt...

Drei große Katastrophen von 1975 bis 1999

Gleich drei Waldbrandkatastrophen hat es im Landkreis in der Zeit von 1975 bis 1999 gegeben. Der größte war der Brand von 1975, der in der Nähe von Stüde ausbrach. Am 8. August 1975 geriet ein Flächenbrand bei Stüde außer Kontrolle. In den folgenden Tagen brachen wegen der langen Trockenheit in den Landkreisen Gifhorn und Celle ständig weitere Feuer aus. Am 10. August wurde der Katastropgen-Zustand ausgerufen, der für acht Tage bestehen blieb. Löschzug der Bahn Rund 15.000 Feuerwehrleute, 11.000 Bundeswehrsoldaten und zahlreiche Helfer weiterer Organisationen waren mit 3800 Fahrzeugen, darunter Panzer, im Einsatz. Drei französische Löschflugzeuge unterstützten, die Bahn hatte einen Schienenlöschzug im Einsatz. Mehr als 7000 Hektar Wald wurden insgesamt vernichtet, fünf Feuerwehrleute verbrannten bei Meinersen. Malloh in Flammen Bei Straßenarbeiten auf dem Testgelände bei Ehra entstand die Brandkatastrophe vom 26. Juli 1983. Zwei Tag herrscht Katastrophenalarm, schnell sind weit mehr als 1000 Helfer im Einsatz. Im Gegensatz zu 1975 wurden sofort auch Wehren aus den Nachbarkreisen alarmiert, die Bundeswehr schickte zwei Transall-Löschflugzeuge. Hunderte Hektar Wald im Malloh verbrannten. 300 Hektar Wald standen am 2. August 1999 bei Wilsche in Flammen, 500 Feuerwehrleute aus der Region waren einen Tag im Einsatz. Die Erfahrungen der drei Brandkatastrophen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Brandschutz stark verbessert wurde.

Wussten Sie, dass rund 80 Prozent der ehemaligen Wälder weltweit seit der Steinzeit durch Brandrodung verschwunden sind? Seit der Steinzeit roden die Menschen Waldflächen mit Feuer. Auf den Flächen entstanden Acker, Viehweiden, Siedlungen. In Brasilien werden täglich riesige Urwaldflächen ein Raub der Flammen, um künftig Zuckerrohr anbauen zu können als nachwachsender Rohstoff für die Treibstoffindustrie. Mittels Satellitenaufnahmen haben Wissenschaftler reine Urwälder erfasst. Noch gibt es sechs große Waldgebiete: Urwälder in Alaska und Kanada, der Amazonas- Regenwald, die Bergwälder Chiles, die Urwälder Russlands sowie die Regenwälder Zentralafrikas und Indonesiens.

Ein Waldbrand ist schnell ent- standen und kann gewaltigen Schaden anrichten. Hier ein paar Verhaltensregeln, um solche Katastrophen zu verhindern: 1) Kein offenes Feuer im Wald oder Waldnähe. 2) Grillen nur auf frei- gegebenen Grillplätzen, dazu beim Forstamt fragen. 3) Im Wald gilt vom 1. März bis 31. Oktober ein allgemeines Rauchverbot. 4) Autos mit Katalysatoren nicht über trockenem Gras abstellen. 5) Zufahrtswege zum Wald für die Feuerwehr frei halten. 6) Kein Glas im Wald zurück lassen, es wirkt wie ein Brennglas in der Sonne. 7) Jeden Waldbrand unter Notrufnummer 112 sofort melden.

In 40 Metern Höhe auf Feuerwache

Kameras sollen Überwachung übernehmen

Wenn im Sommer die Waldbrandgefahr im Landkreis Gifhorn steigt, dann zieht sich das Überwachungsnetz enger zusammen. Derzeit wird in zwei Türmen und mit einem Flugzeug aufsteigenden Rauchfahnen nachgespürt. Künftig sollen diese Arbeit Kameras übernehmen. Es geht steil empor, und nach wenigen der rund 40 Metern Höhe, die über schmale Metallstufen zu erklimmen sind, pfeift der Wind um die Ohren. Ganz oben auf dem Turm im Malloh geht es schwankend zu wie auf einem Schiff. Aber der Ausblick entschädigt - der Landkreis liegt dem Betrachter zu Füßen, allerdings von einem Meer grüner Baumwipfel bedeckt. Es ist nicht einfach, zwischen Staubfahnen von Traktoren, die über Felder fahren, Rauchwolken vom Schießbetrieb auf dem Bundeswehrgelände Ehra und Rauchfahnen von wirklichen Feuern zu unterscheiden. Bislang werden ab Waldbrandstufe vier die beiden Feuerwachtürme im Landkreis besetzt, von denen je einer im Malloh in Nähe des Truppenübungsplatzgeländes Ehra-Lessien sowie an der VW-Versuchsstrecke steht. Mitarbeiter der Forst sitzen dann 40 Meter über dem Erdboden auf einer Plattform und können weit in den Landkreis blicken. In trockenen Sommermonaten ist das eine personalintensive Aufgabe. Daher will das Land künftig die Wälder von Digitalkameras überwachen lassen. Die sind rund um die Uhr im Einsatz und könnten Zug um Zug ein wesentlich dichteres Überwachungsnetz bilden. Allerdings: Wann die ersten Geräte installiert werden, ist derzeit noch unklar. Auch die Höhe der Kosten, die komplett vom Land getragen werden, steht noch nicht fest. Ganz wird die Technik den Menschen aber nicht ersetzen. Der derzeitige zusätzliche Flugdienst bei Waldbrandgefahr wird erhalten bleiben, um im Brandfall die Einsatzkräfte zu koordinieren.

Der Ausblick von den 40 Meter hohen Feuerwachtürmen im Landkreis Gifhorn ist gewaltig.

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ISAF Lagerleben
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Große Gefahr Waldbrand

Feuer ist einer der gefährlichsten Feinde des Waldes. Im Berliner Waldknigge heißt es: Aus einem Baum können eine Million Streichhölzer entstehen, aber ein Streichholz reicht, um eine Million Bäume zu vernichten. Im Sommer gelten bestimmte Verhaltensregeln im Wald, um die Waldbrandgefahr einzudämmen. Der Deutsche Wetterdienst arbeitet mit fünf Gefahrenstufen von ”gering” bis ”sehr hoch”, die je nach Trockenheit ausgerufen werden. Bis Stufe Drei werden Wälder und Wetter durch Forst und Feuerwehren verstärkt beobachtet. Ab Stufe Vier werden die beiden Feuertürme im Landkreis besetzt, zusätzlich wird vom Flugzeug aus beobachtet. Ab Stufe Fünf herrscht Alarmbereitschaft, der Wald darf außerhalb der Wege nicht betreten werden, Rauchen im Wald ist verboten, Verstöße werden mit bis zu 25.000 Euro geahndet.

Neues Konzept der Wehren seit 2001: Spezielle Züge sind auf Anforderungen bei Waldbränden eingestellt

Die Feuerwehren im Landkreis sind auf künftige Waldbrände gut vorbereitet. Nach dem Waldbrand in Wilsche Anfang August 1999 wurden die Wehren verstärkt und ein neues Konzept erstellt. Im Brandfall rücken die örtlichen Wehren aus. Aber seit 2001 werden sie bei Bedarf durch spezielle Einheiten der Wehren aus dem ganzen Kreis unterstützt. Das Konzept enstand durch Erfahrungen des jüngsten großen Waldbrandes im Kreis. So kommen bei Waldbrand spezielle Züge zum Einsatz. Die Gifhorner Wehr hat einen Wassertransportzug mit vier Fahrzeugen und 23 Leuten aufgestellt aus Kräften der Wehren Gifhorn, Neubokel, Kästorf und Wilsche, erklärt stellvertretender Stadtbrandmeister Harald Olech. Im Einsatz bietet dieser geschlossene Zug Vorteile. Das Team ist durch gemeinsame Übungen wie beispielsweise 2007 im Ringelah eingespielt, durch drei wassertragende Fahrzeuge selbstständig einsetzbar. Organisation und Führung sind leichter, da es nur einen Ansprechpartner gibt. Die Gifhorner Ortswehren bleiben einsatzbereit, da nur Teile von ihnen abgezogen wurden. Die auf den Brandfall abgestimmten massiven Kräfte ermöglichen schnelle Erfolge bei der Brandbekämpfung. Dieser Zug wird eingesetzt, wenn es außerhalb von Gifhorn in Wäldern brennt. Unterstützt wird er bei Bedarf von einem Wasserförderzug mit bis zu 35 Leuten und sechs Fahrzeugen aus Gifhorn und Gamsen. Dieser Zug stellt vor allem die Versorgung mit Wasser sicher. Kreisweit gibt es ähnliche Strukturen im Norden und Süden. Auch hier unterstützen eigens für Waldbrände zusammen gestellte Züge bei Bedarf die örtlichen Wehren, auch in Nachbarkreisen.

Folge 7: Wirtschaftsfaktor Wald

Ein Baum in Stücken in nur einer Minute

Sechsrädriger Harvester erntet Holz in den Wäldern im Landkreis

Langsam schiebt sich das sechsrädrige Gefährt durch den Wald. Ein langer Arm greift mit dem Arbeitskopf an seinem Ende um einen Baum, fällt ihn in wenigen Sekunden und fährt am Stamm entlang, um ihn zu entästen. Dann wird der Baum automatisch zersägt.

Nur eine Minute braucht der Harvester von Maschinenführer Martin Muru, um einen Baum bis zu 70 Zentimeter Durchmesser zu fällen, entästen und zersägen. Muru sitzt im Cockpit des 18 Tonnen schweren Fahrzeugs und steuert dieses über Touch-Pad, Bildschirme und digitale Karten.

Die Bäume, die Muru ernten soll, wie es in der Sprache der Forst heißt, sind markiert. Wenn sie abgesägt sind, wirft Muru einen Blick auf die Schnittfläche und entscheidet so über die Qualität. „Kranke Bäume haben dunkle Flecken im Holz.“ Baumkrümmung, Durchmesser und Astvorkommen sieht er schon beim Anfahren, auch diese Punkte entscheiden über die Qualität.

Muru gibt in den Bordcomputer ein, wie lang die Stücke sein sollen, die aus dem Baum gesägt werden. Die unterschiedlichen Qualitäten (für Brennholz, Bauholz oder Möbel beispielsweise) haben unterschiedliche Längen.

Sensoren am Arbeitsmotor messen die Länge, bevor die Säge ansetzt. Jedes Teil wird digital erfasst, kann so jederzeit für den Verkauf verwaltet werden, so kann auch auf Anforderung produziert werden. Die im Wald zurück bleibenden Äste werden stark zerkleinert, um so Borkenkäfer abzuschrecken.

Rote Markierungen an den Bäumen weisen den Weg. „Ich darf nur markierte Strecken fahren, um den Waldboden zu schützen“, sagt Muru. Der Motor hat 180 Kilowatt Leistung. Durch den Hydraulikantrieb bewegt sich der Harvester, eine von vier Maschinen des Forstamtes Unterlüß, gleitender und schonender über den Waldboden.

Mehr als 750 Betriebe leben vom Holz

Wald und seine Produkte: Nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor im Kreis Gifhorn

Der Wald ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor – auch im Landkreis Gifhorn. Mehr als 750 Betriebe haben im weitesten Sinne mit Holz zu tun. Insgesamt 662 Unternehmen aus dem Landkreis, die mit Holz im weitesten Sinne zu tun haben, sind bei der Industrie- und Handels- kammer verzeichnet. Das Spektrum reicht von Holztransporten über Groß- und Einzelhandel bis hin zur Handelsvermittlung. Eine Beschäftigtenzahl gibt es von der IHK nicht, da die Unternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter, wenn überhaupt, in 50er-Schritten meldet – die Zahl ist daher nicht aussagekräftig.

Bei der Kreishandwerkerschaft sind 37 Zimmerei- und 60 Tischlerbetriebe eingetragen. Alte Berufe wie der Drechsler sind in diesen Berufsbildern aufgegangen. Bei der Landwirtschaftskammer werden weitere Betriebe geführt, die mit Holz zu tun haben, wie beispielsweise private Waldbesitzer, von denen es im Landkreis rund 2000 gibt.

Nicht zu vergessen sind die Bereiche, die zwar auf den ersten Blick nichts mit Holz zu tun haben, aber trotzdem, wenn auch nur teilweise, vom Wald leben. Da wären beispielsweise Imker, deren Bienenvölker Waldhonig produzieren. Oder die Gastronomie und die Tourismusbranche, denen ohne Wald viele Einnahmen wegbrechen würden, weil viele Gäste ausblieben.

Wald ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Eine bundesweite Studie der Universität Münster belegt, dass der Wirtschaftszweig Forst und Holz in Deutschland Arbeit für insgesamt eine Million Menschen schafft, die in mehr als 160.000 Betrieben tätig sind und einen jährlichen Umsatz von 114 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit sind bundesweit mehr Menschen im Forst- und Holzbereich als in der Automobilindustrie beschäftigt.

Kein anderer Rohstoff lässt sich so vielfältig verwenden und ist dabei umweltschonend. Holz ist Energieträger und Baumaterial, Grundstoff für Papier und Zellulose, Werkstoff für Werkzeuge, Möbel, Spielzeug. Ein Viertel unseres Holzverbrauches – durchschnittlich ein Kubikmeter je Bundesbürger im Jahr – wird für die Papierproduktion gebraucht: 20 Millionen Kubikmeter.

Wussten Sie, dass sich Holz biegen, gießen oder schweißen lässt? Moderne Technik macht es möglich: Holz lässt sich heute so behandeln, dass es sogar in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt werden kann.

So gibt es ein von der Technischen Universität Dresden entwickeltes Pressverfahren, bei dem bei 140 Grad Celsius hoher Druck auf Holz ausgeübt wird. Das Material an sich wird so fester, entsprechend geschnitten und verleimt entstehen aber Bretter, die sich biegen lassen.

Auch gegossen werden kann Holz. In der Automobilindustrie wird beispielsweise Sägemehl mit Bindemitteln vermischt und anschließend in Formen gegossen.

Bei der Holzschweißmethode wird ein ins Holz geschlagener Nagel aus Kunststoff durch Ultraschall derart in Vibration versetzt, dass er sich verflüssigt. Der flüssige Kunststoff dringt nun in die Holzporen ein.

Berufe im Wandel: Von Köhlern und Aschenbrennern

Rohstoff Holz als Grundlage für viele Produkte – Wald als Lieferant für Nahrung, Umweltschutz und Erholung

Wald bietet mehr als nur Holz. Zwar ist Holz der Rohstoff für zahlreiche Produkte, aber auf den zweiten Blick wird klar, dass die Wälder im Landkreis noch mehr liefern. Holz ist und bleibt Rohstoff Nummer eins aus dem Wald. Aus Holz ent- stehen vielfältige Bauprodukte, Brennholz und Pellets, Sägemehl als Bestandteil im Formenbau, Schiffe, Kutschen, Papier, Möbel, Werkzeuge, Waffen, Spielzeug und Dekorationsartikel. Um den hohen Bedarf zu decken, wurde Holz beispielsweise von 1661 bis 1878 auf der Ise von Wahrenholz nach Celle geflößt. Aber die Produktpalette aus Holz hat sich gewandelt, viele Artikel entstehen heute aus Plastik oder Metall oder werden chemisch produziert.

Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es den Aschenbrenner, der vor allem Kiefern verbrannte, um Pottasche zu gewinnen für die Seifen-, Farben- und Glasherstellung. Auch Lohmacher gab es bis ins 19. Jahrhundert, sie produzierten aus Lindenbast Seile und aus Rinde Gerbstoff. Ebenfalls bis ins 19. Jahrhundert stellten Rußbrenner den Grundstoff für Farbe, Schuhcreme und Druckerschwärze her.

Köhler gab es noch bis vor wenigen Jahrzehnten im Kreis, ebenso wie Harzer, die noch zur Zeit des I. Weltkrieges tätig waren. Sie zapften das Harz der Bäume ab. Das wurde zur Desinfektion und Konservierung und als Dichtungsmittel bei Schiff- en, Haushaltsgeräten und Dächern benutzt und zur Produktion von Terpentinöl, das inzwischen chemisch hergestellt wird. Außerdem liefert der Wald Honigsorten, Wildfleisch, Pilze und Früchte. Und seine wohl wichtigsten Produkte entstehen ganz ohne menschliche Hilfe: Er filtert Regen- zu Trinkwasser, produziert Unmengen von Sauerstoff und bindet tonnenweise Kohlendioxid, bietet Erholung und Lärmschutz, ist in höheren Lagen Lawinenschutz und holt Staubpartikel aus der Luft.