Ballonfahrt
Balthasar
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Faszination Ballonfahrt

Texte und Fotos erschienen am 29.8.2003 als Sonderseite in der Gifhorner Aller-Zeitung.

Vor der Ballonfahrt bestimmt Michael Pohl die wahrscheinliche Fahrtrichtung mit Karte und Kompass.

Das Gerät vorzubereiten ist schwere Arbeit.

Vor und nach der Ballonfahrt ist harte Arbeit zu leisten

Alleine geht nichts: „Erdferkel“ am Boden und Besatzung in der Luft bilden ein eingespieltes Team vom Start bis zur Landung

Oerrel (ba). Ballonfahren ist ein, im wahrsten Sinne des Wortes, erhebendes Gefühl. Doch vor und nach dem Dahinschweben und sich Gleitenlassen steht Arbeit. Harte Arbeit, körperlich wie geistig.

Grundsätzlich steigen Ballonfahrer nur am frühen Morgen oder am Abend in den Himmel auf. Während des Tages hält die Thermik sie davon ab. Bevor der Ballon ausgepackt wird, wird im Internet der Flugwetterbericht studiert. Je wärmer es ist, desto leichter muss der Ballon sein. Bei 30 Grad Außentemperatur kann der Ballon von Michael Pohl 220 Kilogramm Zuladung transportieren. Die Temperatur wird kurz vor dem Start noch einmal aktuell per Thermometer gemessen, dann wird die Entscheidung über die Transportmenge getroffen. Da kann auch schon mal kurzfristig ein Fahrgast am Boden bleiben.

Mit einem Luftballon wird die Windrichtung festgestellt, mit Karte und Kompass dann die wahrscheinliche Fahrtrichtung. Danach kommt die körperliche Arbeit. Die Ausrüstung wird ausgepackt. Rund drei Tonnen sind zu bewegen, 25 Meter wird der Ballon hoch sein, wenn er steht. Der Ballonkorb wird auf die Seite gelegt, die Hülle montiert, Seile befestigt. Mit Hilfe eines Ventilators wird Umgebungsluft in die Hülle geblasen. Die Brenner, die eine Wärmeleistung von rund 3000 PS zur Verfügung stellen, heizen die Luft auf, bis sich der Ballon aufrichtet. Das Funkgerät wird eingebaut, um Kontakt zum Team am Boden zu halten, welches den Ballon bis zur Landestelle verfolgt.

Der Ballon wird mit hußer Luft befüllt.

„Erdferkel“ werden diese Verfolger genannt, wenig respektvoll scheinbar, doch zugleich liebevoll. Die Erdferkel sorgen dafür, dass die Ballonbesatzung von freier Flur zurück nach Hause kommt, sie sind zur Stelle, wenn etwas schiefgeht und Hilfe gebraucht wird, und sie übernehmen einen Teil der Arbeit.

Nach der Landung beginnt die Arbeit von vorn - in umgekehrter Reihenfolge: Luft aus der Hülle drücken, Hülle zusammenlegen, alles verstauen.

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Im Einklang mit der Natur

Oerrel (ba). Über die Ultraleichtfliegerei ist Michael Pohl zur Ballonleiden- schaft gekommen. Vor zehn Jahren hat er die Ultraleichtfliegerlizenz erwor- ben. Dann hatte er Gelegenheit, an Ballonfahrten teilzunehmen, und nach der zweiten Fahrt hatte ihn der „Virus gepackt und nicht mehr losgelassen“, wie er sagt.

Der Reiz des Besonderen, die Bewegung im Einklang mit der Natur ist es, was ihn so sehr an diesem Sport fasziniert. „Es ist eine der klassischen und ältesten Arten, sich auf die Elemente einzulassen. Das ist nur noch vergleich- bar mit dem Einhandsegeln auf dem Ozean“, so Pohl.

Ballonfahrer Michael Pohl

Ballonfahren gehört zu den letzten Abenteuern der Menschheit, und es ist teuer. Allein der Ballon kostet rund 50.000 Euro, dazu kommt die gleiche Summe für ein gutes Zugfahrzeug. Jeder Start schlägt mit 400 bis 500 Euro zu Buche. Entsprechend klein ist der Kreis der Piloten, von denen sich jeder regelmäßig seine Flugtauglichkeit von einem Arzt bescheinigen lassen muss.

Pohls Ballon ist ein so genannter Thunder & Colt aus England. Er hat ein Hüllenvolumen von 3000 Metern, das entspricht etwa der Höhe eines fünfstöckigen Hauses von 25 Metern. Er wiegt etwa drei Tonnen, die Brennerleistung erreicht eine Flammtemperatur von 1400 Grad.

Mehr über Ballonfahrten gibt es im Internet unter www.ballonreisen.de oder unter Tel. 05832-970481. Dort besteht auch die Möglichkeit, eine Fahrt zu buchen.

Nach erfolgreicher Landung werden die Gäste getauft.

Die Taufe gibt es nach der Landung

Aus Passagieren werden Graf oder Gräfin - Urkunde bescheinigt Adelsstand

Oerrel (ba). Es geht aufwärts. Langsam steigt der Ballon in den Himmel, leiser werden die Rufe der Zurückgebliebenen und lauter das Rauschen des Windes. Das Team am Boden wird kleiner, schrumpft zu dunklen Punkten zusammen.

Ab und zu grollt der Brenner, sonst herrscht himmlische Ruhe. Himmlisch, im wahrsten Sinne des Wortes, ist auch der Ausblick. Die langsame Fortbewegung mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 Kilometern in der Stunde macht den Reiz aus. Es hat manchmal den Anschein, als stehe der Ballon. Dann einer der Höhepunkte einer Ballonfahrt, der nicht jedem Piloten vergönnt ist - der Wolkendurchstoß. Es ist, als durchbreche man die Grenze zu einer anderen Welt.

Der Gasvorrat ist aufgebraucht, der Ballon muss landen. Das Verfolgerteam wartet bereits am voraussichtlichen Landeplatz. Der Pilot öffnet ein Ventil an der Spitze des Ballons, schneller als es aufgestiegen ist, sinkt das Luftfahrzeug wieder der Erde entgegen.

Wer nach der ersten Fahrt wieder festen Boden unter den Füßen hat, wird adelig. Vor der Aufnahme in die 200 Jahre alte Zunft gibt es eine Taufzeremonie mit den drei Elementen Feuer, Erde und Wasser. Eine Haarsträhne wird ein Raub des Feuers. Gelöscht wird sie mit Wasser, eine Handvoll Erde, die in den Haaren verrieben wird, beschließt die Taufe. Die Ballonfahrer heißen jetzt Graf oder Gräfin, und eine Urkunde dokumentiert Fahrt, Adelstaufe und den neuen Namen.

Hankensbütteler Ballonpost transportiert

Extra Stempel für Briefe und Karten - Rund 130 Schreiben mitgefahren

Oerrel (ba). Die erste Hankensbütteler Ballonpost, rund 130 Poststücke, transportierte Michael Pohl im Rahmen des Heidmärkerfestes 2003 von Hankensbüttel nach Schönewörde.

Begehrt: Sammelobjekte Ballonpostbelege

Die Karl-Söhle-Grundschule Hankensbüttel nahm während des Heidmärkerfestes Briefe und Karten zur Beförderung an. Diese wurden mit einem extra angefertigten Stempel „Mit Ballonpost befördert“ der Urlaubsregion Heidmark abgestempelt. Einen zweiten so genannten Bordstempel mit Kennung des Ballon, Datum und Namen des Piloten gab es dann im Heißluftballon selbst. Nach der Landung wurden die Poststücke in einer Poststation abgegeben, von wo aus sie auf dem normalen Wege weitergeleitet und ausgeliefert wurden.

Die Ballonpost hat eine lange Tradition. 1782 erfanden die Brüder Montgolfier den Heißluftballon, am 21. November 1783 gab es den ersten bemannten Flug. Bereits 1784 nahmen Ballonpiloten erste Schriftstücke mit. Die mit kleinen Ballons 1793 aus belagerten Festungen transportierten und handschriftlich mit „par un Ballon“ gekennzeichneten Briefe dürfen als Beginn der eigentlichen Ballonpost gelten.

Erst 104 Jahre später, im Juni 1897, gab es die erste Ballonpost in Deutschland. Louis Godard nahm während der Gewerbeausstellung in Leipzig Ballonfahrten vor und nahm Postkarten mit, die nach der Landung der Reichspost zur Weiterbeförderung zugeleitet wurden.

Heute sind Ballonpostbelege beliebte Sammelobjekte.