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Die Wesendorfer Bibel fand regen Absatz bei den Projekt-Mitwirkenden.

Die Idee zum Projekt Wesendorfer Bibel entstand im Oktober 2003. Zum Jahr der Bibel gab es eine entsprechende Ausstellung im Rathaus der Samtgemeinde Wesendorf. Im Gespräch zwischen dem Wesendorfer Pastor Bernd Fricke, dem Schriftsteller Johann D. Bellmann und dem Journalisten und Verleger Thorsten Behrens (als Autor unter Balthasar bekannt) über verschiedene Bibel-Aktionen in anderen Städten wurde der Wunsch nach einem regionalen Projekt laut. Schnell wurde deutlich, dass dieses Projekt zwei Grundrichtungen haben müsste:

1) Menschen sollten sich stärker mit der Bibel als Wort Gottes befassen, egal, ob sie das bereits taten, oder ob sie bisher eher weniger von der Bibel wussten. Alle Christen, aber auch Angehörige anderer Religionen sollten mit einbezogen werden. Menschen, die sich bereits intensiv mit der Bibel befassten, sollten die Möglichkeit haben, sie einmal so wieder zu geben, wie sie das Buch sehen.

2) Die Menschen einer überschaubaren Region, hier der Samtgemeinde Wesendorf, sollten sich gemeinsam in ein Projekt einbringen und sich durch die gemeinsame Arbeit weiter miteinander vernetzen.

Pastor Bernd Fricke und Thorsten Behrens starteten schließlich das “Projekt Wesendorfer Bibel - Eine Samtgemeinde liest die Bibel”. Die Bibel wurde letztlich in 112 Teile zerlegt. Gruppen aus Vereinen, Kirchen, Schulen, Kindergärten und Privatpersonen bildeten sich, um diese Teile zu bearbeiten. Jede Gruppe sollte ihren Bibelteil nach eigenem Ermessen bearbeiten. Gedicht, Erzählung, Sachtext, Foto, Zeichnung, Collage - alles war möglich, es musste nur im Din A 4-Fomat druckbar sein und eine reine Abschrift war untersagt. Die Menschen sollten kreativ sein - und das waren sie.

Bei der Auftaktveranstaltung im November 2004 - bis dahin hatte das Projektteam Margitta Warnecke gewonnen und das Konzept für das Projekt erarbeitet sowie alle Menschen der Samtgemeinde Wesendorf eingeladen - wurden die ersten Bibelteile per Los vergeben. Weitere Teile holten sich die Gruppen später in freier Auswahl, auch weitere Gruppen schlossen sich dem Projekt später an. Die Gruppen erstellten ihre Arbeiten ohne Hilfe des Projektteams nach eigenem Ermessen oder holten sich eines der drei Teammitglieder zur Hilfe. Spannende Arbeiten sind das Ergebnis. Die Gifhorner Aller-Zeitung stellte in unregelmäßigen Abständen Gruppen und ihre Arbeiten vor, die gesamte regionale Presse begleitete das Projekt von Anfang bis Ende.

Ende November 2007 wurde das Projekt beendet. Insgesamt 34 Gruppen mit mehreren Hundert Mitgliedern hatten teilgenommen. Jede Gruppe erhielt während der Abschlussveranstaltung, erneut im Wesendorfer Rathaus, eines der insgesamt 1000 Exemplare, die von dem 378 Seiten starken vollfarbigen Buch, das in vier Jahren entstanden war, gedruckt wurden. Das Buch hat einen festen Einband und wiegt knapp 1100 Gramm. Außerdem wurde je ein Exemplar für jeden der 77 Kirchenkreise der Niedersächsischen Landeskriche vorgesehen. Jede Kirchen- und politische Gemeinde, jede Schule und jeder Kindergarten innerhalb der Samtgemeinde Wesendorf erhielt außerdem unabhängig von einer Teilnahme ein Freiexemplar, um damit arbeiten zu können und damit die Einwohner der Samtgemeinde, die kein Exemplar der limitierten (und inzwischen vergriffenen) Ausgabe erhielten, es einsehen können. Die übrigen Exemplare wurden verkauft - mit riesigem Erfolg ohne Gewinn für zehn Euro je Exemplar.

Diese Bibel ist mehr als eine Bibel, mehr als ein Geschenk oder ein außergewöhnliches Exemplar im Bücherschrank. Sie gibt Einblick in das Denken und in die Gefühle der Menschen, die dieses Buch gestaltet haben. Sie gibt Anregungen für eigene Interpretationen der Bibel. Sie verleitet, über den eigenen Tellerrand zu schauen und den Blick aus einem anderen Winkel zu wagen. Sie macht Spaß, die Bibel mal wieder in die Hand zu nehmen. Und sie ist Beispiel für eigene Projekte nicht nur mit kirchlichem Hintergrund, sóndern zum Zusammenwachsen von Gruppen, zur Gestaltung eigener Arbeiten, zur Kreativität.

Möglich gemacht haben die vollfarbige und qualitativ hochwertige Ausführung des Buches sowie das gesamte Projekt viele Sponsoren. Die Deutsche Bibelgesellschaft erteilte eine Abdruckerlaubnis für Bibeltexte nach der Lutherübersetzung. Die Hanns-Lilje-Stiftung, die Kultur- und Sozialstiftung der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, das Landeskirchenamt der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, die Kirchenkreise Gifhorn und Wittingen sowie die Samtgemeinde Wesendorf förderten das Projekt finanziell mit zum Teil beachtlichen Summen. Die Advantage Printpool GmbH in Gilching engagierte sich in nicht alltäglicher Weise bei der Herstellung und ließ beim Druckpreis mit sich handeln. Viele ehrenamtliche Helfer unterstützten das Projekt, indem sie beispielsweise bei der Eröffnungs- sowie der Schlussveranstaltung Aufgaben übernahmen, Arbeitsgruppen betreuten, die Idee in die Köpfe und Herzen weiterer späterer Mitwirkender trugen.

Das Projektteam Bernd Fricke, Margitta Warnecke und Thorsten Behrens brachte den von Johann D. Bellmann vorgelegten Stein ins Rollen. Mit Leben erfüllt aber wurde das Projekt durch die Menschen aus der Samtgemeinde Wesendorf. Es ist ihre, die Wesendorfer Bibel.

Pastor Bernd Fricke (l.) begrüßt die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung.

Das Pojektteam: Pastor Bernd Fricke (v.r.), Margitta Warnecke und Thorsten Behrens.